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Das Wunder von Blasewitz

Mythen um die Loschwitzer Brücke

„Was? der Blitz! Das ist ja die Gustel aus Blasewitz!“ schreibt Friedrich Schiller in seinem Stück „Wallensteins Lager“ und setzt damit der Wirtstochter des berühmten Blasewitzer Schankhauses, in das es Schiller zwischen 1785 und 1787 regelmäßig zog, ein Denkmal. Zu seinem 100. Geburtstag ehrt das damals noch als „Fleischersche Schenke“ bekannte Gasthaus seinen ehemaligen Stammgast und nennt sich fortan SchillerGarten.

Mit dem Ausruf im „Wallenstein“ könnte aber nicht nur die von Schiller geschätzte Johanne Justine Renner, geb. Segedin, wie die Gustel von Blasewitz mit bürgerlichem Namen hieß, gemeint sein, er lässt sich auch auf das Wahrzeichen der Stadt Dresden – das Blaue Wunder – beziehen. Die Elbbrücke verbindet die beiden Stadtteile Loschwitz und Blasewitz miteinander und hat ihnen darüber hinaus zu einigem Ruhm verholfen. Auch wenn die Brücke erst 1893, nach Schillers Zeit also, errichtet wurde, scheint das Zitat angesichts des Stolzes, mit dem die Dresdner ihre Brücke betrachten, durchaus passend. Nicht zuletzt, weil diese ähnlich sagenumwoben ist, wie die begehrte Wirtstochter selbst. Ihren Namen „Blaues Wunder“ verdankt die Brücke nämlich dem Gerücht, sie sei ursprünglich grün gewesen und habe sich erst im Laufe der Zeit auf wundersame Weise blau gefärbt. Seit Beginn der Weihnachtszeit 2011 macht die Brücke ihrem Namen alle Ehre und erstrahlt, dank eines neuen Beleuchtungskonzepts der Stadt, auch bei Dunkelheit in sanftem Blau.

Ein Wunder ist die Brücke nicht nur wegen ihres rätselhaften Farbwechsels; vor mehr als 130 Jahren stieß die Idee innovativer Unter­nehmer, eine Verbindung zwischen den Orten Loschwitz und Blasewitz zu schaffen, keinesfalls auf Begeisterung. Erst nach heftigen Debatten begann 1891 der 2,25 Millionen Goldmark teure Bau. Um diese Summe aufzufangen, mussten Nutzer der Brücke bis 1923 Maut zahlen: Zwei Pfennig für Fußgänger, 10 für Zugtiere und 20 für Kraftfahrzeuge. Reger Verkehr, wenngleich gebührenfrei, herrscht noch heute auf der mittlerweile sehr beliebten Stahlbrücke. Der flussüberquerende Boulevard ohne Verkehr, zum Spazieren und Verweilen zwischen dem bunten Treiben von Straßenkünstlern und Händlern, ist bislang nur ein Traum geblieben.

Die Gründung des Brückenschlag e. V. ist ein erster Schritt in Richtung seiner Verwirklichung. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gegend um das Blaue Wunder aktiv zu fördern – den Körnerplatz am Loschwitzer Ufer und den Schillerplatz auf Blasewitzer Seite. Beide Plätze sind einstige Zentren der Fischerdörfer Loschwitz und Blasewitz, bevor diese 1921 nach Dresden eingemeindet wurden.

Die mediterran anmutenden Loschwitzer Weinberge faszinieren Künstler aller Art bereits seit dem 17. Jahrhundert. Zwar bereitet die Reblaus 1890 dem Weinbau ein Ende, der Beliebtheit der Gegend bei Kreativen und Kunstschaffenden tut dies jedoch keinen Abbruch. Rund um den Körnerplatz finden sich noch heute viele Galerien und Handwerksläden. Um 1900 wird Loschwitz um eine Sensation reicher: Die erste Bergschwebebahn der Welt eröffnet.
Jenseits der Elbe, am Blasewitzer Ufer, zeigt sich in allen Winkeln, welch tiefen Eindruck Schillers Aufenthalt hinterlassen hat: Neben dem berühmten SchillerGarten wird das Einkaufsquartier um den Schillerplatz von der SchillerGalerie mit zahlreichen Geschäften ergänzt. Seit jeher ist der Schillerplatz ein Handelsknotenpunkt; dreimal die Woche findet hier ein Wochenmarkt mit Lebensmitteln aus der Region statt.
Schillers Spuren reichen jedoch bis ans andere Elbufer, war er doch während seiner Dresden-Zeit eigentlich in Loschwitz, bei seinem Freund und Schriftstellerkollegen Theodor Körner, zu Gast. Die Geschichte beider Orte und ihrer berühmten Bewohner rankt sich immer wieder um und über den Fluss. Nicht zuletzt deswegen ist die blaue Brücke, die sogar der Sprengung im Krieg trotzte, tatsächlich ein Wunder.

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